BrainStore in the German Newspaper "Die Welt"

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Mehr und bessere Ideen Massenweise Denkans├Ątze, Inspiration und Innovation -

Die Firma Brain Store liefert Ideen am Flie├čband

Von Axel Gloger

Wie kommt das Neue in die Welt? Eine bewegende Frage. An die tausend Quellen kennt das Internet, die eine Antwort versuchen. Kolumnen, Konferenzen und B├╝cher bearbeiten das Thema, das Unternehmen dr├Ąngt: "Bringt Ideen! Innoviert", so t├Ânt es von Beratern wie Firmenchefs unisono.

Das Technologieunternehmen 3M etwa will ein neues Feuerwerk von Ideen entfachen. Unternehmenschef James McNerney beschw├Ârte die weltweit 67 000 Mitarbeiter mit der Formel 2x/3x. Das sieht aus wie eine Hausaufgabe in Bruchrechnung, ist aber ein in Zahlen verschl├╝sselter Appell. Alle sollen mitmachen - es gelte, so McNerney, doppelt so viele Ideen zur Machbarkeit zu treiben und damit dreimal so viel Erfolg am Markt zu haben. 2x/3x eben. Dass Unternehmen sich so anstrengen wie 3M, findet Nadja Schnetzler nicht ungew├Âhnlich. "In Zukunft geht es darum, Ideen am Flie├čband zu produzieren", beschreibt sie, was auf die Berufswelt zukommt. Mehr Ideen, bessere Ideen - und alles schneller als bisher, mit diesen Zielen versuchen Firmen weltweit ihre Mitarbeiter zu infizieren, um die Nase im Wettbewerb vorn zu behalten.

Die Frau muss es wissen. Sie besch├Ąftigt sich tagaus, tagein damit, noch mehr Ideen zu finden: Vor 14 Jahren gr├╝ndete sie Brainstore. Dieser Dienstleister mit Sitz im schweizerischen Biel verhilft seinen Kunden dazu, gute Ideen zu finden - und das in gro├čen Mengen. Das Vorgehen in Kundenprojekten ist immer gleich: Erst tr├Ągt Brainstore massenweise Inspirationen zusammen - das k├Ânnen 3000 oder auch mal 10 000 Mini-Ideen sein. Diese werden dann ├╝ber mehrere Stufen so lange verdichtet, bis zwei, drei Kn├╝ller ├╝brig bleiben. Nadja Schnetzler, heute 32 Jahre alt, muss ihr Thema immer wieder predigen. Denn das typische B├╝ro ist kein Raum f├╝r gute Ideen: "Die meisten Mitarbeiter k├╝mmern sich nicht um das Neue". Innovation w├╝rde oft abgeschoben, sei nur in einem kleinen, abgezirkelten K├Ąstchen der Organisation zu Hause, bem├Ąngelt die Beraterin. "Aber es reicht nicht, eine Hand voll Ingenieure oder Marketingmanager mit dem Ideenfinden zu beauftragen." Die Mitinhaberin von Brainstore w├Ąhlt einen anderen Weg. "Die Mischung macht's" beschreibt sie ihr Vorgehen. Je bunter das Team, desto besser die Ideen, so lautet das Credo, wenn Schnetzler die Workshops f├╝r ihre Auftraggeber zusammenstellt: Damit viel produktive Reibung entsteht, kommen zu den zehn Mitarbeitern des jeweiligen Unternehmens zehn seiner Kunden und zehn querdenkende Jugendliche dazu. Das Ziel: "Viele Sichtweisen einbeziehen, Betriebsblindheit vermeiden", sagt die Unternehmerin, die ├╝ber Ideen finden am Flie├čband ein Buch geschrieben hat (Nadja Schnetzler, "Die Ideenmaschine. Methode statt Geistesblitz, wie Ideen industriell produziert werden", Wiley-Verlag, 229 Seiten, 29,90 Euro). Das Geheimnis von Brainstore sind die Werkzeuge. Seine Ideen-Workshops sind keine lockeren Treffen, Motto: Lasst uns mal was Neues ausdenken. "Bringt zu wenig", tut Schnetzler diese G├Ąhn-Veranstaltungen ab. Die von ihr moderierten Teams arbeiten ein bis sechs Stunden, Teilnehmer werden mit einem Stakkato unterschiedlicher Instrumente befeuert: Der rasche Wechsel von Brainstormings, Spielen oder Listen, die vervollst├Ąndigt werden m├╝ssen, bringt Dynamik. Hieraus entsteht das Rohmaterial, mindestens ein paar Hundert gute Denkans├Ątze pro Sitzung. Diese wanderen an die n├Ąchsten Bearbeitungsstationen der Schnetzler'schen Ideenfabrik: "Jetzt ist Verdichten wichtig", beschreibt die Innovationsexpertin das weitere Vorgehen. Sie setzt eine Runde von Experten zusammen, die das Rohmaterial sortieren - nur die aussichtsreichsten Gedankensplitter werden weiter verfolgt. "Aus Quantit├Ąt wird Qualit├Ąt", so lautet die Vorgabe f├╝r den Veredelungs-Prozess. Hier entstehen dann Innovationen wie die Massageliege f├╝r verspannte Passagiere von Langstreckenfl├╝gen oder der Kugelschreiber mit eingebautem Klebestreifen-Spender. Brainstore sorgt daf├╝r, dass das so Ausgedachte nicht in irgendeinem Schrank verstaubt: "Entscheiden!", ruft die Inhaberin die F├╝hrungskr├Ąfte ihrer Kunden-Unternehmen dazu auf, marktreif zu machen, was Mitarbeiter ausgedacht haben: Ideen werden den Chefs vorgelegt. In einem f├╝r jeden verstehbaren Prozess sollen diese dar├╝ber befinden, welche neuen Produkte, Angebote und Prozesse es geben soll. Henkel ist schon so weit. Der Markenartikel-Konzern hat Inspirationen am Flie├čband produzieren lassen. "Wir haben ein Dutzend neue Ideen f├╝r unsere Produkte bekommen", preisen Ulf Timmann und Juan-Carlos Wuhrmann, bei Henkel f├╝r die Produktentwicklung von Wasch- und Reinigungsmitteln verantwortlich, die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Dienstleister.

Nadja Schnetzler hatte f├╝r den Waschmittel-Gesch├Ąftsbereich ein Ideen-Team von 35 Personen zusammengestellt: Henkel-Mitarbeiter, Hausfrauen und Jugendliche waren ebenso dabei wie einige Freelancer. "Viel Dynamik, sehr locker, ergiebig", loben die beiden Henkel-Manager Timmann und Wuhrmann das schnelle Vorgehen: Innerhalb von einer Woche hatten sie ihr Ideen-Briefing in der Hand. Ohne externe Hilfe kommt manches Unternehmen nicht so weit. Denn Firmen verfallen in ein h├Ąufig anzutreffendes Muster: Ideen finden wird dem Zufall ├╝berlassen. Niemand k├╝mmert sich professionell um das Thema, Einf├Ąlle entstehen hier und da, mitunter gibt es einen aussichtsreichen Ansatz. Aber auch der hat es schwer, wenn keiner nachhilft, wie Nadja Schnetzler in vielen B├╝ros beobachtet hat: "Auf eine Idee kommen 100 Experten, die davor warnen."