Germany's top weekly newspaper
BrainStore in the German Newspaper "Die Welt"
25 September 2004
Germany's top weekly newspaper
Mehr und bessere Ideen Massenweise Denkansätze, Inspiration und Innovation -
Die Firma Brain Store liefert Ideen am Fließband
Von Axel Gloger
Wie kommt das Neue in die Welt? Eine bewegende Frage. An die tausend Quellen kennt das Internet, die eine Antwort versuchen. Kolumnen, Konferenzen und Bücher bearbeiten das Thema, das Unternehmen drängt: "Bringt Ideen! Innoviert", so tönt es von Beratern wie Firmenchefs unisono.
Das Technologieunternehmen 3M etwa will ein neues Feuerwerk von Ideen entfachen. Unternehmenschef James McNerney beschwörte die weltweit 67 000 Mitarbeiter mit der Formel 2x/3x. Das sieht aus wie eine Hausaufgabe in Bruchrechnung, ist aber ein in Zahlen verschlüsselter Appell. Alle sollen mitmachen - es gelte, so McNerney, doppelt so viele Ideen zur Machbarkeit zu treiben und damit dreimal so viel Erfolg am Markt zu haben. 2x/3x eben. Dass Unternehmen sich so anstrengen wie 3M, findet Nadja Schnetzler nicht ungewöhnlich. "In Zukunft geht es darum, Ideen am Fließband zu produzieren", beschreibt sie, was auf die Berufswelt zukommt. Mehr Ideen, bessere Ideen - und alles schneller als bisher, mit diesen Zielen versuchen Firmen weltweit ihre Mitarbeiter zu infizieren, um die Nase im Wettbewerb vorn zu behalten.
Die Frau muss es wissen. Sie beschäftigt sich tagaus, tagein damit, noch mehr Ideen zu finden: Vor 14 Jahren gründete sie Brainstore. Dieser Dienstleister mit Sitz im schweizerischen Biel verhilft seinen Kunden dazu, gute Ideen zu finden - und das in großen Mengen. Das Vorgehen in Kundenprojekten ist immer gleich: Erst trägt Brainstore massenweise Inspirationen zusammen - das können 3000 oder auch mal 10 000 Mini-Ideen sein. Diese werden dann über mehrere Stufen so lange verdichtet, bis zwei, drei Knüller übrig bleiben. Nadja Schnetzler, heute 32 Jahre alt, muss ihr Thema immer wieder predigen. Denn das typische Büro ist kein Raum für gute Ideen: "Die meisten Mitarbeiter kümmern sich nicht um das Neue". Innovation würde oft abgeschoben, sei nur in einem kleinen, abgezirkelten Kästchen der Organisation zu Hause, bemängelt die Beraterin. "Aber es reicht nicht, eine Hand voll Ingenieure oder Marketingmanager mit dem Ideenfinden zu beauftragen." Die Mitinhaberin von Brainstore wählt einen anderen Weg. "Die Mischung macht's" beschreibt sie ihr Vorgehen. Je bunter das Team, desto besser die Ideen, so lautet das Credo, wenn Schnetzler die Workshops für ihre Auftraggeber zusammenstellt: Damit viel produktive Reibung entsteht, kommen zu den zehn Mitarbeitern des jeweiligen Unternehmens zehn seiner Kunden und zehn querdenkende Jugendliche dazu. Das Ziel: "Viele Sichtweisen einbeziehen, Betriebsblindheit vermeiden", sagt die Unternehmerin, die über Ideen finden am Fließband ein Buch geschrieben hat (Nadja Schnetzler, "Die Ideenmaschine. Methode statt Geistesblitz, wie Ideen industriell produziert werden", Wiley-Verlag, 229 Seiten, 29,90 Euro). Das Geheimnis von Brainstore sind die Werkzeuge. Seine Ideen-Workshops sind keine lockeren Treffen, Motto: Lasst uns mal was Neues ausdenken. "Bringt zu wenig", tut Schnetzler diese Gähn-Veranstaltungen ab. Die von ihr moderierten Teams arbeiten ein bis sechs Stunden, Teilnehmer werden mit einem Stakkato unterschiedlicher Instrumente befeuert: Der rasche Wechsel von Brainstormings, Spielen oder Listen, die vervollständigt werden müssen, bringt Dynamik. Hieraus entsteht das Rohmaterial, mindestens ein paar Hundert gute Denkansätze pro Sitzung. Diese wanderen an die nächsten Bearbeitungsstationen der Schnetzler'schen Ideenfabrik: "Jetzt ist Verdichten wichtig", beschreibt die Innovationsexpertin das weitere Vorgehen. Sie setzt eine Runde von Experten zusammen, die das Rohmaterial sortieren - nur die aussichtsreichsten Gedankensplitter werden weiter verfolgt. "Aus Quantität wird Qualität", so lautet die Vorgabe für den Veredelungs-Prozess. Hier entstehen dann Innovationen wie die Massageliege für verspannte Passagiere von Langstreckenflügen oder der Kugelschreiber mit eingebautem Klebestreifen-Spender. Brainstore sorgt dafür, dass das so Ausgedachte nicht in irgendeinem Schrank verstaubt: "Entscheiden!", ruft die Inhaberin die Führungskräfte ihrer Kunden-Unternehmen dazu auf, marktreif zu machen, was Mitarbeiter ausgedacht haben: Ideen werden den Chefs vorgelegt. In einem für jeden verstehbaren Prozess sollen diese darüber befinden, welche neuen Produkte, Angebote und Prozesse es geben soll. Henkel ist schon so weit. Der Markenartikel-Konzern hat Inspirationen am Fließband produzieren lassen. "Wir haben ein Dutzend neue Ideen für unsere Produkte bekommen", preisen Ulf Timmann und Juan-Carlos Wuhrmann, bei Henkel für die Produktentwicklung von Wasch- und Reinigungsmitteln verantwortlich, die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Dienstleister.
Nadja Schnetzler hatte für den Waschmittel-Geschäftsbereich ein Ideen-Team von 35 Personen zusammengestellt: Henkel-Mitarbeiter, Hausfrauen und Jugendliche waren ebenso dabei wie einige Freelancer. "Viel Dynamik, sehr locker, ergiebig", loben die beiden Henkel-Manager Timmann und Wuhrmann das schnelle Vorgehen: Innerhalb von einer Woche hatten sie ihr Ideen-Briefing in der Hand. Ohne externe Hilfe kommt manches Unternehmen nicht so weit. Denn Firmen verfallen in ein häufig anzutreffendes Muster: Ideen finden wird dem Zufall überlassen. Niemand kümmert sich professionell um das Thema, Einfälle entstehen hier und da, mitunter gibt es einen aussichtsreichen Ansatz. Aber auch der hat es schwer, wenn keiner nachhilft, wie Nadja Schnetzler in vielen Büros beobachtet hat: "Auf eine Idee kommen 100 Experten, die davor warnen."
FAZ: The leading German newspaper
Die FAZ rezensiert das Buch die Ideenmaschine von BrainStore Mitgründerin Nadja Schnetzler
20 January 2004
FAZ: The leading German newspaper
Ideen
Die Brainstore-Maschine - Ein strukturierter Prozeß für Kreative
20.12.2004
Nadja Schnetzler: Die Ideenmaschine. Methoden statt Geistesblitz. Wie Ideen industriell produziert werden. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2004, 229 Seiten, 29,90 Euro.
Ein schräges Buch für schräge Ideen von einer schrägen Autorin? Nadja Schnetzler, Mitgründerin und Vorstand der Brainstore AG aus dem schweizerischen Biel, hätte vermutlich nichts dagegen, wenn man ihr Buch so charakterisierte. Schließlich sind schon die Typen, mit deren Hilfe sie "einen ausgeklügelten Ideen-Produktionsprozeß und ein System aus 16 frei kombinierbaren Basisverfahren" entwickelt, alles andere als Wunschkandidaten biederer Personalleiter. Toth, langhaariger Heavy-Metal-Rocker, René, 17jähriger Schulabbrecher, aber genialer Texter, Nicolet, nichts als aufgekratzte Göre, sowie ein paar Dutzend anderer schräger Vögel haben im Laufe der vierzehnjährigen Geschichte von Brainstore in diesem Unternehmen ihre Duftmarken hinterlassen. "Leute mit einem geradlinigen und beeindruckend konsistenten Lebenslauf haben bei uns einen schweren Stand", meint Nadja Schnetzler. Ihr Grundprinzip für die Ideensuche: Man mische freche Teenager, die Dinge mit natürlicher Naivität und aus einem extremen Blickwinkel sehen, mit gestandenen Führungskräften, die auf "geht nicht", "schon probiert" und "kenn' ich schon" programmiert sind. In solchen gemischten Ideen-Workshops tauten die Krawattenträger regelrecht auf und hätten jede Menge Spaß an der Sache.
Unbestritten ist für Schnetzler: Autodidakten sind die besseren "Ideenfabrikanten". Womit wir beim Thema des Buches wären: Gute Ideen, egal wofür, entstünden nicht zufällig. Man könne sie am besten in einem strukturierten Prozeß entwickeln, der nach festem Ablaufschema und mit definierten Werkzeugen arbeitet. Deshalb auch das - in diesem Zusammenhang ungewohnte - Bild von der Maschine. Die Teile dieser "Brainstore-Maschine" heißen Ideenbeschaffung, Ideenverdichtung, Ideenselektion und Ideenumsetzung. Gesteuert wird das Ganze durch das Ideenmanagement. Diese fünf Elemente bilden zugleich die Grobstruktur des Buches. Die dazugehörenden, ausführlich beschriebenen Werkzeuge kommen zum Beispiel als "TrendScouting", "KickOff", "CreatingCommunity", "IdeaCity", "LavaLamping" oder "BrainShaping" daher.
Beim ersten Lesen ertappte sich der Rezensent bei dem Gedanken, diesem schrägen Haufen den Verein Deutsche Sprache auf den Hals zu hetzen: Was für eine krasse Sprachpanscherei. Je öfter man allerdings das Buch zur Hand nimmt, desto mehr erliegt man seinem unbekümmerten Charme. Erst schluckt man die Kröte der Maschinen-Metapher, dann verzeiht man - wenn auch unter Schmerzen - die anglizistischen Absonderlichkeiten, und schließlich läßt man sich noch von den seriösen Namen beeindrucken, die sich der Brainstore-Ideenmaschine bedienen: Die Liste reicht von Rolex, Nestlé und BMW bis zu Neckermann, der Universität Genf und der Schweizerischen Bahn. Es muß also etwas dran sein an dieser "industriellen Produktion" von Ideen.
HEINZ K. STAHL
Die Zeit, one of the most renowned German weekly newspapers
BrainStore in the Newspaper "Die Zeit"
8 April 1998
Die Zeit, one of the most renowned German weekly newspapers
Ideen von der Stange
Ihr Chef kennt Sie nicht? Holen Sie sich doch ein paar Einfälle aus dem BrainStore
VON ERIC BREITINGER
Wäre Monsieur Wagner nicht manchmal ein wenig mutig, hätte er wohl nie den BrainStore im schweizerischen Biel betreten, um bei einem wildfremden Verkäufer ein paar gute Ideen in Auftrag zu geben. Monsieur Wagner hat nämlich ein Problem: Sein Chef nimmt ihn nicht wahr, nicht richtig jedenfalls. Obwohl Monsieur Wagner, ein gelernter Photograph, schon seit acht Monaten im Lausanner Photomuseum Elysée arbeitet, kennt der Vorgesetzte bislang nur seinen Vornamen: Yves. Kein Problem für den Ideenverkäufer: "In einer Stunde können Sie wiederkommen."
Das Logo des BrainStores ist eine menschliche Hirnhälfte. Der Laden verkauft, was die Menschheit so dringend nötig hat: frisch entwickelte Ideen. Eine Weltpremiere, sagen die Betreiber. Seit November gibt es hier peppige Ideen für ein Tauffest bereits nach einer Viertelstunde Wartezeit und für 9,90 Franken. Und wer es braucht, bekommt ein vollständiges Konzept zur Verwandlung von Apfelsaft in ein Kultgetränk. Das dauert ein paar Tage länger, und die Summe auf dem Scheck muß mindestens fünfstellig sein.
Ob klein oder groß - produziert werden alle Einfälle gleich nebenan, von den 20 Mitarbeitern der Ideenfabrik. Durchschnittsalter: 23 Jahre. Das Unternehmen, die Dactis AG, gründete der 31jährige Markus Mettler vor neun Jahren, als er nach ein paar Semestern von ökonomischen Theorien genug hatte.
Die Geschäftsidee war simpel, aber für jeden, der an die Originalität menschlicher Geistesblitze glaubt, ein Schlag: Mettler behauptet, gute Ideen ließen sich in Serie produzieren, genau wie gute Schuhe. Alles, was man brauche, seien die richtigen Techniken und Menschen, die wissen, wann sie welches Werkzeug einsetzen müssen.
Zum Beispiel bei der Entwicklung eines neuen Produkts. Meist sondieren die Ideenwerker anfangs mit einer Umfrage die Marktchancen. Oft greifen sie auch zur Methode des Trendscouting: Freie Mitarbeiter erfassen konkurrierende Marken. So versuchen sie herauszufinden, ob das zu lancierende Produkt wirklich genug Neues enthält. Das dritte Werkzeug läßt sich gleichermaßen für Privatkunden einsetzen: Jugendliche entwickeln in einem leeren Raum, dem "Kreativlabor", in Rollenspielen oder beim Brainstorming die Rohideen.
Manchmal treffen sie sich mit Kunden für zwei Tage auf einer Alphütte. Falls nötig, sagt Mettler, könne seine Firma 500 Jugendliche aus der ganzen Schweiz mobilisieren. Die Mitarbeiter im Think Tank klopfen die Rohideen auf ihre Umsetzbarkeit ab und feilen sie aus. Am Ende sind die Einfälle reif für die Praxis - oder sie müssen sich erst noch beim Ideentest bewähren.
Am Anfang arbeitete die Dactis AG für Schülerzeitungen. Heute lebt sie davon, daß sie Ideen an angegraute Firmenleiter verkauft, die ihre Produkte auf jung stylen wollen, aber nicht wagen, ihre Kinder um Rat zu fragen. So rufen Nestlé-Manager an, die das klebrige Image der "Schoggi-Stengeli" aufzufrischen suchen. Der Zürcher Chips-Hersteller Zweifel kauft ein paar Dutzend Stunden Kreativität, um einem neuen Kartoffelsnack einen trendigen Namen, eine hippe Verpackung, kurz: einen Superauftritt zu verschaffen.
Getränkemanager dürsten nach kleinen Frechheiten für Coca-Cola light, die PR-Leute von Johnson & Johnson nach einem Schuß Jugendlichkeit für ihre Slipeinlagen-Werbung.
Die Kundenliste zählt mittlerweile 200 Firmennamen. Der Umsatz schnellte 1997 auf zwei Millionen Franken hoch, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Und seit neuestem bedient die Ideenfabrik auch Privatpersonen: im BrainStore. Etwa für die 80jährige Nachbarin, die nach einer neuen Beschäftigung für ihren frisch pensionierten 86jährigen Gatten sucht.
Der Verkäufer stellt den Projektor an, liest laut vor: "Trois idées pour monsieur Yves Wagner." Fünfundvierzig Minuten lang hatten fünf Jugendliche im Kreativlabor um Lösungen gerungen. Zuerst fabulierten sie drauflos, bis der Moderator sie auf das Thema Puzzle lenkte und ihre Assoziationen auf einer Tafel festhielt. Wagner solle ein Bild vergrößern, rät nun der Verkäufer, es zerschneiden und die Puzzleteile nach und nach dem Chef zuschicken. "Mein eigenes Bild?" fragt Wagner ungläubig. "Unsere zweite Idee: Schicken Sie Ihrem Chef zwanzig Photos von Personen, teils Bekannte, teils Fremde, darunter eines von Ihnen. Auf die Rückseite schreiben Sie: ,Wer ist Yves Wagner?'"
Der unglückliche Monsieur Wagner schaut nicht mehr gar so unglücklich drein.
Als dritte Lösung rät BrainStore ihm zu einer Bewerbung für die eigene Stelle, mit Zeugnissen und Photo. "Das hat Humor." Wagner lächelt. "Die Bewerbung gefällt mir, das Puzzle auch. Vielleicht läßt sich das kombinieren." Er legt sechzig Franken auf den Tisch. Und geht hinaus, unter dem Arm eine Mappe mit seinen Ideen. Gut möglich, daß sein Chef bald merkwürdige Post bekommt.
